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Dämmung oder Solarthermie zuerst?

Sollte der Bauherr, beispielsweise eines Eigenheims im Bestand, zuerst in bessere Dämmung investieren oder in eine Solarheizung? Auf den ersten Blick möchte man zuerst in die Dämmung investieren. Das kann die richtige oder die falsche Entscheidung sein.

Kein Widerspruch

Dämmung und Solarheizung ergänzen einander. In der Praxis streiten meist jedoch zwei größere Investitionsblöcke um den Vorrang im Budget des Bauherren. Ist darin nur Platz für die eine Investition, sprechen die Bauvorschriften anscheinend für die Dämmung zuerst. Tatsächlich haben es Werbung und Lobbyarbeit der Hersteller von mineralischen Dämmmaterialien (und von Fenstern) geschafft, dass die Vorschriften ganz in ihrem Sinne formuliert sind.

Worum muss es sinnvollerweise gehen? Ein Neubau nach dem Sonnenhaus-Standard benötigt sowohl eine hervorragende Dämmung als auch die Solarthermie. Die nützliche Frage lautet: Wieviel muss geschehen und in welcher Reihenfolge soll - zumal bei einer Solarsanierung im Altbau - vorgegangen werden?

Im Prinzip stimmt es: Dickere Dämmschicht senkt den Wärmeverbrauch deutlich. Jedoch sinkt der Verbrauch nicht so stark wie die Dämmqualität ansteigt. Es ist ein typischer Fall des abnehmenden Grenznutzens: Mit jedem zusätzlichen Euro für die Dämmung gewinnt man immer weniger zusätzliche Kilowattstunden Energieeinsparung. Die Frage sollte daher nicht auf ein Entweder-Oder zugespitzt werden, sondern: Bis zu welcher Grenze lohnt sich ein weitere Verbesserung des U-Wertes? Ab einer gewissen Grenze kann mit einer gleichhohen Investition in die Solarheizung eine höhere Brennstoffersparnis erzielt werden.

Konkurrierende Investitionen

Der erste Unterschied zwischen den konkurrierenden Ansprüchen: Die Solarthermie ist ein Investitionsblock, der sich nur bei hervorragender Planung in zwei Phasen teilen lässt. Maßnahmen zur Dämmung des Hauses können in einem Dutzend Phasen beauftragt werden, vieles kann sogar in Eigenleistung geschehen. Diese Unterscheidung macht sich der kluge Bauherr zunutze und besorgt sich zuerst eine konsequent durchdachte Solarheizung der Nutzklasse MX. Entscheidet er sich für die umgekehrte Reihenfolge, bleibt fast immer nur ein Restbetrag übrig, der für eine niedere Nutzklasse der Solarthermie genügen mag, aber das Ergebnis wird ihn enttäuschen: Die real erzielten Einsparungen sind ihm dann zu bescheiden, sie hätten den Aufwand kaum gerechtfertigt.

Hat er hingegen in die Nutzklasse MX investiert, kann er bei der Dämmung kürzer treten. Das entspricht zunächst einer Abwägung der Preis-Leistungsverhältnisse. Sie ist zu ergänzen durch eine Vorausschau. Irgendwann, wenn die Energiepreise für die nicht erneuerbaren Brennstoffe das Niveau dauerhaft einhalten, das sie im Jahr 2008 kurzzeitig erreichten (zum Beispiel Öl: sieben Monate über 100 Dollar/Barrel), spätestens dann möchte man mit Solarthermie dagegenhalten.

Dann aber wird sie doppelt teuer: Hat der Bauherr eine billige Anlage gewählt, wird er feststellen, dass sie nicht erweiterbar oder aufrüstbar ist; sie muss entfernt und entsorgt werden, und die angestrebte MX-Anlage wurde bis dahin nicht billiger, denn beispielsweise Kupfer ist ebenfalls ein endlicher Rohstoff. Möglicherweise würde mit dem Entwurf des Gebäudes sogar verhindert, dass eine leistungsfähige Solarthermie der Nutzklasse MX nachträglich infrage kommt.

Das sollte der Bauherr bedacht haben, bevor er zu der Entscheidung gelangt, er könne sich ein konsequentes Verhalten zur Zeit nicht leisten. Wenn sich der Bauherr beide Investitionen leisten kann, können wir für die optimale Verknüpfung beider Maßnahmen die Kriterien ermitteln.

Vorsicht angezeigt

Zu beachten sind außerdem einige Gesichtspunke, die zur Vorsicht bei der Dämmung ermuntern. Der Jahresnutzungsgrad des Heizkessels wird durch Reduzierung der Heizlast des Gebäudes verschlechtert. Das liegt an der Überdimensionierung fast sämtlicher Kessel im Lande ("sicherheitshalber!") - ein Fehler, der bei Neuanschaffung eines Kessels im Rahmen der Sanierung meistens wiederholt wird.

Bei unzureichender Ausführung der Dämmung besteht die Gefahr, dass Wärmebrücken zurückbleiben. Das geschieht häufig, es beschwört Schimmelgefahr herauf. In Gebäuden unter dem Denkmalsschutz ist bessere Dämmung meistens schlecht oder zu aufwendig zu verwirklichen.

Die Bewohner müssen sich anders als gewohnt verhalten, da sie wegen der dichteren Gebäudehülle häufiger lüften müssen. Das gilt besonders bei neuen Fenstern. Mittlerweile gibt es Fenster mit bewusst konstruierter Undichtigkeit, da das Leben in hermetischer Umgebung für viele Menschen unverträglich ist.

Manche Dämmstoffe setzen bei der Installation und über ihre Lebensdauer Schadstoffe frei. Der Einfluss baulich bedingter Gifte im Haus wird erst in jüngster Zeit konsequent erforscht. Ihre Anwesenheit unterstützt Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Allergien oder ruft sie sogar hervor. Dass diese Zusammenhänge hieb- und stichfest beweisbar werden, liegt nicht im verständlichen Interesse einiger Anbieter im Markt - man sollte sie immerhin rechtzeitig bedenken. Dämmstoffe zu entfernen käme teuer.

"So viel Sonnenenergie nutzen wie möglich" ist eine zupackende, dynamische Handlungsweise. Demgegenüber ist "So viel dämmen wie möglich" eine defensive, einschränkende Geste. Diese führt in voller Konsequenz zum Passivhaus, das die Bewohner nicht lüften dürfen, damit es funktioniert und sie leben in einer synthetischen Hülle, die empfindlichen Naturen das Atmen erschwert. Jene führt zu einer guten Solarheizung; in sie investiert man nur einmal und genießt ihren Luxus über vier Jahrzehnte.