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Sonnenhaus kontra Passivhaus

Passivhaus und Sonnenhaus stehen für zwei gegensätzliche Wohnkulturen. Das Passivhauskonzept erfordert die bewusste Entscheidung seiner Bewohner, ihre Lebensumstände den Besonderheiten dieses Haustyps anzupassen. Das Sonnenhaus verlangt nichts dergleichen. Bei Kenntnis der Bedingungen beider Konzepte ist eine leichtfertige Entscheidung praktisch ausgeschlossen.

Bauherren bewerten die Vor- und Nachteile beider Konzepte so unterschiedlich, dass es sinnlos ist, sie gegeneinander auszuspielen.

Kennzeichen des Passivhaus

Einige Vorzüge des Passivhauses würden in ihr Gegenteil umschlagen, wenn die Bewohner das Haus nicht typgerecht bewohnten. Kennzeichen dieses Hauses sind erstens eine drastische Verringerung des absoluten Wärmebedarfs (max. 15 kWh/m²a) und der Primärenergiebedarf - einschließlich des Haushaltsstroms - muss ca. 40 kWh/m²a betragen. Hierzu sind einige Voraussetzungen zu erfüllen:

  • Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung; sie schafft eine geregelte und gleichmäßige Luftqualität
  • Sehr intensive Dämmung mit absoluter Luftdichtheit, keine Wärmebrücken, U-Werte kleiner als 0,10 Watt/m²a Kelvin
  • Fenster mit Dreifachverglasung
  • Nutzung der Abwärme, die durch die Bewohner, Haushaltsgeräte usw. entsteht

Tatsächlich erreicht das Passivhaus beim Wärmebedarf das Optimum an Sparsamkeit. Es schneidet besser ab als jedes Haus, das nach der EnEV 2002 gebaut wird, besser als die vielen interessanten Niedrigenergiehäuser und das Energiesparhaus 40, besser auch als das Sonnenhaus. Anders bei den Kosten des Heizens. Da stellen sich die gleichen Tatsachen aus anderem Blickwinkel umgekehrt dar. Damit der folgende Vergleich lesbar wird, setzen wir die Heizkosten im Altbaubestand als 100 Prozent. Dann liegt das Passivhaus bei (immer noch vorzüglichen) 8 % und das Sonnenhaus bei 2 bis 3 %. In der Rangfolge tauschen sie die Plätze. Wie ist das möglich?

heizkosten

Der Wärmebedarf ist beim Passivhaus geringer als beim Sonnenhaus. Wegen der hohen Wertigkeit von elektrischem Strom wird aber 3,7 bis 6,9 mal soviel Primärenergie verbraucht! Deshalb belastet der Strompreis die Heizkosten. Hingegen ist beim Sonnenhaus der Strombedarf auf Hilfsenergie (für die Pumpen) beschränkt - wir verwenden nur Hocheffizienz-Pumpen.

Besser als das Sonnenhaus schneidet das Passivhaus ab beim Nutzenergie- (bzw. Endenergiebedarf. Das ist jedoch unerheblich, da das Sonnenhaus seine Energie überwiegend kostenlos bezieht. Deshalb liegt das Sonnenhaus besser bei den Energiekosten, beim Primärenergieverbrauch und beim Ausstoß von Kohlendioxid. Folglich ist das Sonnenhaus auch krisenfester, wenn die Energiepreise explodieren. Die folgenden Schaubilder stellen das vergleichsweise dar. Bitte anklicken:

Vergleich Primaerenergie Vergleich Primärenergie (Bild: Sonnenhaus-Institut) Vergleich Endenergie Vergleich Endenergie (Bild: Sonnenhaus-Institut)
Vergleich Energiekosten Vergleich Energiekosten (Bild: Sonnenhaus-Institut) Vergleich CO2 Vergleich CO2 (Bild: Sonnenhaus-Institut)

 

Nützt Sonnenstrom der Wärmepumpe?

energieangebot-und-nachfrage-waermepumpeDas ist bei Eigenheimen nicht zu verwirklichen. Auf dem Dach des Passivhauses liegen Photovoltaikmodule, mit denen es zwar über das Jahr einen Energieüberschuss erzielt. Rein rechnerisch könnte daraus die Energie stammen, welche die Wärmepumpe benötigt um das Haus zu heizen. Tatsächlich wird die Wärmepumpe eines Passivhauses im Winter kaum vom eigenen Dach, sondern fast nur aus dem Netz mit Strom versorgt. Zwar bleibt die Einspeisevergütung über zwanzig Jahre gleich, die Strompreise bleiben es nicht und in welchem Maße für Wärmepumpen ein Vorzugstarif gilt, ist nicht vorhersagbar. Im Gegenteil: Im Zuge der mittlerweile begonnenen (und bundesweit einzuführenden) intelligenten Steuerung von Nachfrage und Versorgung, muss der Wärmepumpenbesitzer mit Überraschungen rechnen, wenn er seine eigene Intelligenz der vom System errechneten Intelligenz unterordnet.

Lebensstil 

Die Architektur des Passivhauses orientiert sich am Zweck dieser Bauweise, dem müssen sich auch die Bewohner anpassen. Die Fenster bleiben geschlossen, gelüftet und geheizt wird zwangsweise und zwar meist mit Strom, sei es direkt oder indirekt mit kleiner Wärmepumpe, das Duschwasser wird fast immer mittels Stromdirektbeheizung erwärmt. Beim Sonnenhaus gibt es die Energie kostenlos von der Sonne und genug davon, um wie gewohnt zu leben: Man lüftet, man heizt, öffnet die Fenster, dreht die Heizventile auf oder zu, wie es einem behagt. Die Wärmereserve im Pufferspeicher reicht über lange Strecken im Winter (beispielsweise beim Energetikhaus 100 sogar über den gesamen Winter). Lediglich ein restlicher Spitzenbedarf an Wärme wird - sofern erforderlich - durch Verbrennen von Holz in einem Kaminhofen befriedigt (welcher den Puffer bedient). So kommt, in Euro gerechnet, ein besseres Ergebnis heraus, dank der Sonne. Und die Bewohner müssen ihren Lebensstil nicht ändern, um ein Sonnenhaus erfolgreich zu bewohnen.

Das Konzept des Passivhauses bedeutet, dass ein - ziemlich labiles - Gleichgewicht zwischen dem Verbrauch von Wärme einerseits und seiner Bereitsstellung und Wiedergewinnung herzustellen ist. Fehlen im Winterurlaub die kochenden, duschenden Bewohner, dann unterkühlt das Haus. Die Zeit zum Wiederaufheizen ist konzeptbedingt lang, schnelles Aufheizen ist nicht möglich; ein offener Kamin würde das Konzept zerstören. Umgekehrt überhitzt das Passivhaus an heißen Sommertagen und wenn zu viele Gäste das Haus bevölkern. Dasselbe geschieht bei Stromausfall. Je nach Lüftungssystem sind alle Räume gleich warm, da die Temperatur über die Lüftung gesteuert wird; unterschiedliche Lüftung der Räume wäre für ein Eigenheim zu aufwendig. Zumal im Badezimmer wäre sie wünschenswert, ist aber nur durch elektrische Zusatzheizung möglich. Schließlich bedingt die Soll-Festlegung des Primärenergiebedarfs, dass nur energieeffiziente Geräte verwendet werden.

Kein Problem bei bewusster Entscheidung 

Im Grunde sollte man die beiden Konzepte nicht gegeneinander ausspielen. Zufrieden sind die Bewohner in beiden Häusern, vorausgesetzt, sie entscheiden sich bewusst für die Wohnwelt und die Lebensanschauung ihrer Wahl. Der typische Sonnenhausbewohner empfände als Zumutung, was er im Passivhaus nicht darf und was er tun muss, damit das Konzept funktioniert. Umgekehrt wird der typische Passivhäusler zu schätzen wissen, dass er nicht ständig aufpassen muss: Das versehentlich offen gelassene Fenster kommt bei ihm nicht vor, alles weitere erledigt die automatisierte Lüftung und Heizung.

Mehrkosten

Die Mehrkosten beim Bau eines Passivhauses sorgen dafür, dass jede eingesparte Kilowattstunde Wärme mehr als viermal so teuer ist als wenn man sie durch Sonnenkollektoren gewinnt und dafür den Heizwärmebedarf des Hauses mit 40 kWh/m²a nicht ganz so tief nach unten schraubt - so die Rechnung des Architekten Georg W. Reinsberg.